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Definition Scrum

Scrum - ein agiles Vorgehensmodell

Die Definition Scrum:

Projekte scheitern. Sie dauern zu lange, sie pulverisieren die Budgetplanung, glänzen durch unklare Ziele oder schlingern von Krise zu Krise bis sie im Projekt-Nirvana versanden. Laut einer Studie von Forschern der Oxford University wurde in 1.500 ausgewählten Projekten unterschiedlicher Branchen festgestellt, dass in über drei Viertel dieser Projekte der Kostenplan um durchschnittlich 27 Prozent überschritten wurde. Jedes sechste Projekt überzog den Budgetrahmen um 200 Prozent und konnte dabei in 70 Prozent die zeitlichen Vorgaben bei der Fertigstellung nicht halten.

Die Sinnhaftigkeit von Projektmanagement wird nicht zuletzt wegen solch alarmierender Zahlen immer öfter hinterfragt. Die Zweifel am Erfolg von Projekten sind jedoch keine Neuerung. Daniel Defoe („Robinson Crusoe“), titulierte den Projektemacher schon 1697 in seinem Essay upon Projects 1697 „als Inbegriff des Abenteuerkapitalisten – und entsprechend als moralisch höchst zweifelhafte Gestalt“¹. Ein Projekt war für Defoe „ein großartiges Unternehmen, das zu breit angelegt ist, als dass etwas aus ihm werden könnte“². Projekte entwickeln sich immer mehr selbst von einer Lösung zum Problem. Immer häufiger wird gefragt, warum man in Zeiten von Digitalisierung und Komplexität überhaupt ein fixiertes Ziel definieren sollte, wenn sich die Rahmenbedingungen sowieso stündlich ändern.

Scrum
Auf der Suche nach neuen Methoden, Mitteln und Möglichkeiten steht außer Frage, dass sich radikal etwas verändern muss, denn „je mehr du nach Plan arbeitest, umso mehr bekommst du das, was du geplant hast, aber nicht das, was du brauchst.“³ Anders denken erfordert jedoch, vorausschauend, anpassungsfähig und initiativ zu agieren. Anders sein heißt, nicht zu warten, sondern anzufangen. Anders sein heißt, agil zu sein, wobei Agilität kein Selbstläufer ist, sondern eine innere Haltung, die über den Feierabend hinaus geht. Die erfolgreichste agile Projektmanagement-Methode und mittlerweile als Standard in der Softwareentwicklung etabliert heißt Scrum.

Scrum kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „Gedränge“. Scrum ist ein Begriff aus dem Rugbysport, der eine Freistoß-Situation darstellt. Jede Mannschaft bildet eine Art Halbkreis, indem jedes Teammitglied eine andere Rolle ausübt, die zum Gelingen eines erfolgreichen Scrum wichtig ist. Kommt einer seiner Verantwortung dabei nicht nach, funktioniert Scrum nicht.

Scrum ist Produktentwicklungsmethode, Managementframework und Mindset zugleich. Es zerlegt nicht den Entwicklungsprozess, sondern das Produkt in Einzelschritte (Sprints). Dabei wird nicht versucht, ein Produkt zu Beginn eines Projekts bis ins letzte Detail zu spezifizieren. Vielmehr werden die wichtigsten Funktionalitäten festgelegt und je Sprint inkrementell weiterentwickelt. Scrum erhebt den Anspruch, die Komplexität eines Projektes mittels Transparenz, Überprüfung und Anpassung spürbar zu reduzieren und geht von der Annahme aus, „dass der Entwicklungsprozess nicht vorherzusehen ist. Das Produkt ist die bestmögliche Software unter Berücksichtigung der Kosten, der Funktionalität, der Zeit und der Qualität.“⁴

Sechs Rollen, sechs Meetings und zwölf Artefakte geben den Rahmen für eine Projektmanagement-Methode, die auf Werten wie Fokus, Offenheit oder Mut fußt.

Scrum begrüßt das Prinzip der Selbstorganisation, richtet seinen Fokus auf kommunikationsintensive Zusammenarbeit und stellt damit die Weichen für eine qualitativ hochwertige, kundenorientierte und innovative Produktentwicklung.

Scrum ist jedoch – anders als oftmals verkauft oder erwartet – weder ein Allheilmittel noch ein Freilos, dass zukünftig alles von selbst funktioniert, nur, weil man sich der Methode bedient. Wer mit Scrum arbeitet, folgt dem Prinzip: Richte den Fokus auf das Problem, zerlege es in kleine, machbare Einheiten, halte enge Verbindung zum Anwender und verbessere schrittweise und mit ihm gemeinsam das Produkt.

Selten erzielt Scrum nicht die gewünschte Wirkung aufgrund fehlender Methodenkenntnis. Die große Hürde bei der Implementierung von Scrum ist die Umstellung einer inneren Haltung, weil sie neben den Unternehmens- und Projektstrukturen auch Auswirkungen auf Führungsstrukturen und den Kunden hat, was konsequenterweise eine Veränderung der Unternehmenskultur und den damit einhergehenden Prozessabläufen verlangt.

(1,2,3) Hanisch, R. (2013). Das Ende des Projektmanagements. Wie die Digital Natives die Führung übernehmen und Unternehmen verändern. Linde.

(4) Schwaber, K. (1996). Konferenzbeitrag auf der OOPSLA. San José (Kalifornien).