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Feb

Projektmanagement braucht mehr als gute Projektmanager

Weiterbildungsmaßnahmen für Projektmanager sind wichtig. Ohne Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für das Projektgeschäft sind sie allerdings ähnlich effektiv wie das Aufstellen von Sonnenstühlen auf der Titanic.

Projektmanager brauchen eine gute Projektmanagementausbildung. Nicht umsonst fordert die IPMA einen Nachweis von persönlicher Weiterbildung im Projektmanagement sobald sich Inhaber eines Level D/C/B/A Zertifikats re-zertifizieren wollen. Deshalb sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern systematische und den Anforderungen entsprechende Projektmanagement-Weiterbildung ermöglichen.

Doch damit alleine wird sich die Qualität der Projekte im Unternehmen nicht grundsätzlich verbessern. Zwar wissen die Mitarbeiter nach ihren Schulungen, wie sie Projektmanagement-Methodik und ihre Kommunikationsfähigkeiten idealerweise im Projekt einsetzen sollten. Allerdings müssen auch die Rahmenbedingungen gegeben sein, in denen die Belegschaft ihr Können in der Praxis umsetzen kann. Sonst ist der Nutzen der Projektmanagement-Weiterbildung begrenzt. Diese Effekte der passenden und unpassenden Rahmenbedingungen sehen wir als Trainingsanbieter von Projektmanagement-Trainings immer wieder bei unseren Kunden.

Ein aktuelles Forschungsergebnis

Auch ein Forschungsprojekt, das TEAMWILLE mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen durchgeführt hat, bestätigt die Bedeutung der Rahmenbedingungen für Projektmanagement.

Die Frage, die in dem Forschungsprojekt untersucht wurde, war essentiell: Welcher Projektmanagement-Ansatz ist der bessere: planorientiert (Wasserfall) oder agil (Scrum).

In aller Kürze beschrieben, ging das so:

Zwei Gruppen von Studierenden wurde dieselbe Aufgabenstellung aufgetragen: Erstellt eine Landingpage für die Webseite der Hochschule.

Beide Gruppen sollten unterschiedliche Projektmanagementansätze anwenden; die eine Gruppe arbeitete planorientiert, die andere Gruppe nach Scrum. Im Anschluss wurden die Ergebnisse und das Vorgehen verglichen. Zudem filmten sich die Studierenden während der Arbeit und reflektierten ihre Stimmung und Motivation sowie die Effektivität ihrer Vorgehensweise.

Was für eine schöne Versuchsanordnung! Zwei Gruppen arbeiten parallel und quasi im Wettbewerb an derselben Aufgabenstellung. Eine solche Doppelarbeit kann sich in der Industrie niemand leisten. Hier war es möglich.

Die Aufgabenstellung war absichtlich so gewählt, dass das agile Vorgehen aus theoretischer Sicht zur Lösung der Aufgabe besser geeignet gewesen wäre.

Der Beitrag von TEAMWILLE war die Mitwirkung bei der Konzeption des Forschungsprojektes, die initiale Befähigung der Studierenden in der für sie neuen Welt von Scrum. Zudem haben wir das agil arbeitende Team mit Agile Coaching intensiv unterstützt.

Und was kam raus?

Beide Gruppen lieferten gute Ergebnisse, die weder von der Qualität noch von der Charakteristik Rückschluss auf das PM-Vorgehen zuließen. Im Projektergebnis spiegelte sich also das Vorgehen nicht wieder.

Auch die Gruppendynamik, die Stimmung und die Motivation waren trotz der unterschiedlichen Projektmanagementansätze vergleichbar. Die agile Gruppe hatte zu Beginn der Arbeit eine Krise, weil sie mit der Vorgehensweise noch nicht vertraut war. Diese Anfangskrise fiel bei der planorientierten Gruppe aus, da alle Studierenden schon Erfahrung im planorientierten Vorgehen hatten. Dafür fand in dieser Gruppe die Projektkrise später statt, als ein wichtiger Stakeholder nicht zur Verfügung stand.

Die Stimmung abseits der Krisen war in beiden Gruppen gut. Die Motivation war auch aufgrund der praxisrelevanten Aufgabenstellung hervorragend.

Und was heißt das für die Praxis?

Ich sehe das Forschungsergebnis als die Bestätigung auf meine eingangs aufgestellt Hypothese, dass die Rahmenbedingungen für Projektmanagement sehr wichtig sind. Im Forschungsprojekt hatte das Vorgehensmodell, planorientiert oder agil, keine Bedeutung. Also müssen andere Faktoren einen höheren Einfluss auf den Projekterfolg haben.

  • Unterstützung durch das Management
  • Klare Rollendefinitionen
  • Motivation des Teams
  • Kommunikation im Projekt

All diese Faktoren beeinflussen den Projekterfolg stärker als die Projektmanagement-Methodik. Und diese Faktoren machen einen großen Teil der Rahmenbedingungen der Projekte aus.

Diese Rahmenbedingungen werden gesetzt von den Entscheidern in der Linienorganisation. Diese Linienführungskräfte haben jedoch oftmals kein klares Verständnis von ihrer eigenen Rolle im Bezug zu Projektmanagement. Sie müssen beispielsweise Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben und Verantwortung in die Projekte abgeben. Sie müssen die Projektarbeit und Linienarbeit klar unterscheiden und Projektarbeit gezielt unterstützen.

Hier kann eine entsprechende Weiterbildung für Linienführungskräfte ansetzen. Dabei sind die Inhalte weniger methodenlastig. Es geht dabei mehr um das Rollenverständnis und die notwendigen strukturellen, kulturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen für effektives und effizientes Projektmanagement.

Mit einer abgestimmten Kombination von Weiterbildungsmaßnahmen für Projektleiter und Linienführungskräfte kann die Professionalisierung des Projektgeschäfts in Unternehmen effektiv und nachhaltig gesteigert werden.

 

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