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Nov

Spitz die Ohren, Darling, denn du siehst mich nicht

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Beitrag 1 von 12 der Reihe „25 Worte über das bewegungsvolle Jahr 2020“

Unvorstellbares wird wieder einmal Realität und wir sind mitten drin.

Wir sind Anna und Sabina. Unser Beruf nennt sich Organisationsentwickler und unsere Berufung würden wir in etwa mit „Weltbeweger“ beschreiben. Eigentlich ist Bewegung für uns beide eine super Sache, nur dieses Jahr ist die Bewegung eher in ein Dröhnen übergegangen.

Der winzige Riese mit dem Namen „Covid-19“ hat unsere Welt spontan aus den Angeln gehoben und noch sind die Reparaturarbeiten in vollem Gange. Gefühlt sitzt jeder in seinem Homeoffice, was den Vorteil hat, dass man nun endlich mehr Zeit Zuhause verbringen kann. Kein Stau, kein nervöses Hupen, keine müden Gesichter in der U-Bahn, keine Kollegen, die einen von der Arbeit ablenken. Spitzenmäßig! Na ja, wenn da nicht dieses unangenehme Gefühl einer Käseglocke wäre, die Zuhause über einen gestülpt worden ist.

Wir haben uns gesagt: Die Käseglocke muss weg! Wir reparieren das, was zu reparieren wert ist und alles andere nehmen wir in die Hand und bauen es so auf, dass wir die Zukunft darin sehen können. In unserem letzten Agile Coach Netzwerktreffen haben wir die Köpfe zusammengesteckt und uns über die Prinzipien unterhalten, die wir dieses Jahr erlebt haben und denen wir 2021 gerne wieder begegnen würden. Daraus sind 25 Worte entstanden, die wir mit euch teilen möchten. Und zwar so, dass es zu jedem Wort oder einer Wortgruppe einen Gedankenimpuls von uns gibt. Diese Impulse werden nur mit euch erst wertvoll. Wir wollen euch zu einem Gespräch einladen, gleich hier. Hinterlasst uns Kommentare, schreibt uns eine E-Mail, teilt den Impuls wohin auch immer er getragen werden soll. Was denkt ihr? Was erlebt ihr? Was fühlt ihr? Was wünscht ihr euch? Immer her damit, wir antworten in jedem Fall.

Unser erstes Wörter-Trio: „Ohrenöffner“, „Digitalisierung“ und „Grenzen“.

Die Big Bang-Digitalisierungswelle in diesem Jahr hat uns vor allem eine Sache gebracht: Gewaltige Komplexität. Wer schon mal in das Thema Systemtheorie reinschnuppern konnte, dem wird das Wort bekannt vorkommen. Fangen wir ganz einfach an. Wenn ich mit zwei Leuten ein Unternehmen gründe, dann habe ich erst einmal eine Verknüpfung zwischen diesen beiden Menschen. Das ist sehr wenig komplex, wenn man überhaupt von Komplexität sprechen möchte. Wenn das Unternehmen auf 50 Leute anwächst, sind es schon 1.225 Zweierbeziehungen und unzählige Dreiecks- und Vierecksbeziehungen. Die Digitalisierung erhöht diese Vernetzung und auf einmal hast du eine riesige Anzahl an Verknüpfungen und Kommunikations- oder Informationsflüssen. Wir haben erlebt, dass das sowohl fantastische Möglichkeiten eröffnet als auch Systeme an ihre Grenzen bringt.

Durch den erzwungenen Big Bang-Ansatz der Digitalisierung haben wir z. B. entdeckt, wie auf einmal sämtliche träge Diskussionen verschwunden sind, welches Tool es denn nun werden darf und soll. Relativ pragmatisch – und wie man so schön sagt „hands-on“ – stand auf einmal eine Kommunikationsplattform (MS Teams) bereit, über die wir in Kontakt bleiben und weiterhin Informationen teilen konnten. Lizenzen für interaktive Tools wurden genehmigt, wo sie notwendig waren und alle bestehenden Teams wurden immer öffentlich für die Organisation gemacht. Wer wollte, kann sich also zu jedem Thema, zu jeder Arbeitsgruppe, zu jedem Projekt einen Einblick und Überblick verschaffen. Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten sind da wie nie zuvor. Und nun kommt jedoch die Frage: Welche Möglichkeiten davon nutze ich und weshalb ist das so?

Wer schon einmal am Ende eines Arbeitstags vor dem Laptop in den Spiegel gesehen hat, der hat darin vielleicht rote Augen gefunden, einen müden Blick und im schlimmsten Fall hat sich der letzte Bildschirminhalt in die Netzhaut eingebrannt. Kleiner Scherz. Was wir jedoch definitiv bei allen Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, erleben können, ist, dass die investierte Zeit in Termine nochmals gestiegen ist. Unser Bedürfnis uns auszutauschen ist also gewachsen.

Das hängt auch damit zusammen, dass die erhöhte Vernetzungsdichte und damit die erhöhte Komplexität dazu führt, dass sich unheimlich viel Dynamik erzeugt. Was gestern noch war, ist heute vielleicht schon wieder anders. Was das „anders“ sein wird, kann man nicht mehr vorhersagen, weil die Einflussfaktoren selbst eine Komplexität haben, die man nicht mehr vollständig durchdringen kann.

Komplexität frisst Multitasking zum Frühstück.

Die vielen Möglichkeiten an Kommunikation und Information treffen uns also eher willkürlich und sind keine bewusste Entscheidung. Das führt dazu, dass wir versuchen mit Multitasking alle Informationsbälle (ob sachlich oder sozial) in der Luft zu halten. Klappt aber nicht, wie wir alle wissen. Der sogenannte Sägeblatteffekt zeigt uns das sehr gut auf. Er besagt, dass wir mindestens 5 Minuten benötigen, um uns nach einer Ablenkung wieder konzentriert auf eine Sache fokussieren zu können. Je mehr Ablenkung desto steiler geht es bergab mit unserer Leistungsfähigkeit und zwar unabhängig von der Dauer der Ablenkung. Das kann auch nur ein kurzes „Oh, eine E-Mail, da schau ich kurz rein, nur ganz kurz“ sein.

In einer hochdigitalisierten Gesellschaft gilt es die Grenzen zu erkennen, an die wir kommen, wenn wir versuchen mit den Mustern von gestern in der Komplexität von heute zurechtzukommen. Es gibt keine klar vorhersagbaren Ergebnisse oder Veränderungen mehr, die Informationsflut ist gewaltig und wir können nicht sagen, welche Wirkung unser Handeln von heute auf die Realität von morgen haben wird. Die zunehmende Eigendynamik und Veränderungsgeschwindigkeit von Systemen gibt uns nur drei Möglichkeiten, wie sie Peter Kruse (Professor für Allgemeine und Organisationspsychologie) treffend beschreibt:

  • Wir können die Vernetzung unterbinden, um die Auswirkungen und damit die Komplexität zu reduzieren. Das dürfte ein erfolgloses Unterfangen sein, da die technischen Möglichkeiten Vernetzung eher fördern.
  • Wir regeln Systeme durch rechtliche Eingriffe. Dazu fehlt uns jedoch der Überblick, da die Komplexität schon viel zu hoch ist.
  • Wir entwickeln weltweit verbindliche Verhaltensregeln und Normen. Damit setzen wir fest, welche von den Dingen, die im Netzwerk sein können, auch sein dürfen und beruhigen so das System.

Die dritte Möglichkeit ist damit wohl diejenige, die wir angehen sollten. Auf Verhaltensregeln und Normen müssen wir uns einigen, weltweit auch noch und zu guter Letzt sogar verbindlich? Wir hören die Antwort darauf schon rufen: Das kann nie klappen.

Die Frage ist dann nur: Was ist denn die Alternative? Wie wir ja nun wissen, gibt es nichts, was wir tun können und dabei genau wissen, wie es ausgehen wird. Also warum nicht einfach tun, denn damit erhöhen wir zumindest die Chance, dass es tatsächlich passieren kann. Anfangen können wir ganz klein.

Beim Zuhören entsteht ein Wunder.

Unsere Empfehlung ist: Lasst uns gemeinsam üben zuzuhören. Zuhören heißt präsent sein. Zuhören heißt sich fokussieren. Zuhören heißt, einer Sache Bedeutung geben. Ein indischer Philosoph namens Krishnamurti beschrieb es so:

„Wenn Sie wirklich zuhören, dann geschieht dabei ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass Sie ganz bei dem sind, was gesagt wird, und gleichzeitig Ihren eigenen Reaktionen lauschen.”

Beim Zuhören widme ich mich also nicht nur dem anderen, sondern ich widme mich auch mir selbst. Denn wenn aus dem Zuhören eine Einigung oder ein gemeinsames Verständnis entstehen soll, dann dürfen wir beim Zuhören nicht innerlich schon Antworten geben. Manchmal ist es nur ein Wort, manchmal ein Gesichtsausdruck oder ein ganzer Sachverhalt und ich fange innerlich schon durch meine eigene Reaktion an Antworten zu geben. Damit bin ich nicht mehr bei meinem Gegenüber. Wenn ich anfange den Kopf zu schütteln während der andere spricht, höre ich nicht mehr zu. Zuhören heißt offen sein, damit sich ein neues Verständnis ergeben kann. Wir werden in Zukunft immer wieder neue Verständnisse benötigen, mit dem Ziel uns einander zu nähern.

Denn was uns als Homo Sapiens erfolgreich gemacht hat, was uns erlaubt hat, dass wir zu Millionen zusammenleben und als System funktionieren, ist „[…] dass wir uns über Dinge austauschen können, die es gar nicht gibt“ (Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit). Wir sind erstklassig darin über Möglichkeiten zu sprechen und Geschichten zu erfinden. Welche Geschichte wollen wir erfinden, wenn es um die Einigung gemeinsamer Verhaltensregeln und Normen geht? Eine Geschichte, die uns eint.

In diesem Sinne: Aus diesem ersten Impuls möchten wir gerne das Prinzip des Zuhörens, des Ohrenöffnens und der Annäherung in das Jahr 2021 nehmen.

Könnt ihr mitgehen? Was würde euch daran hindern? Was hat euch vielleicht schon geholfen dem Prinzip zu folgen?

Wir freuen uns auf eure Meinungen, Gedanken und Ideen!

 

 

 

 

Literaturempfehlungen:

  • „Erfolgreiches Management von Instabilität – Veränderung durch Vernetzung“ | Peter Kruse
  • „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ | Yuval Noah Harari

Bildquelle: TEAMWILLE/Sabina Petronic

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