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18
Dez

Welche Lebensgestaltung Organisationen zukünftig treffen wird

Beitrag 9 von 12 der Reihe „25 Worte über das bewegungsvolle Jahr 2020“

Von der Achtsamkeit als eine Art der Wachsamkeit

Wir sind Anna und Sabina. Als Organisationentwickler und wie jeder andere auch, konnten wir in diesem Jahr besonders gut beobachten, was es für Organisationen bedeutet, wenn auf einmal der private Raum stärker mit dem beruflichen Raum verschmilzt. Schulzeiten müssen stärker berücksichtigt werden, in Videobesprechungen nehmen Kinder spontan mit teil und die Wahrnehmung des allgemeinen Energielevels in Terminen wird auf einmal zur Kernkompetenz. Bei manchen erhöht sich die Erreichbarkeit, bei anderen sinkt sie, die einen können vor allem abends arbeiten, andere völlig flexibel. Wo manche anfangen auch am Wochenende zu arbeiten, ist das für andere ein totales Tabu, die einen finden Home-Office großartig, andere sehnen sich nach einem normalen Bürotag. Das Jahr 2020 hat uns einen guten Vorgeschmack darauf gegeben, was es heißen könnte, mit einem höheren Grad an Individualismus konfrontiert zu werden. Das private Leben erhält stärkeren Einzug in den Beruf und umgekehrt. Die Frage ist: Wie können wir damit achtsamer umgehen und es als ein Leben gestalten?

Unser Wort-Duett von heute: „Achtsamkeit“ und „Lebensgestaltung“

Wir gehen davon aus, dass ein hohes Bewusstsein und damit auch ein waches Auge ausschlaggebend für die Organisationen der Zukunft sein werden. Es wird um eine Art der organisationalen Achtsamkeit gehen, die berücksichtigt, dass wir Veränderungen bewusster integrieren, einkalkulieren und deren Auswirkungen bewusst reflektieren. Bisher passieren viele Veränderungen einfach; sie sind schleichend oder sogar disruptiv. Die meisten Veränderungen integrieren sich vermutlich auch deswegen fast geisterhaft, weil das ja auch keiner vermutet hätte. Genauso wie das Internet oder das Smartphone als nicht zukunftsfähig abgewinkt wurden, so fehlte auch an anderen Stellen die Vorstellungskraft. Bzw. fehlte die kollektive Vorstellungskraft. Und genau diese werden wir benötigen, wenn wir die Integration von ganz individuellen Bedürfnissen in eine unternehmerische Organisation meistern wollen. Bis vor einigen Jahren hat die klare Trennung von Beruf und Privatleben den Organisationen geholfen sich voll und ganz dem eigenen Wachstum zu widmen und zwar mit möglichst stabilen Strukturen, zahlenorientierten Zielen und gut besetzten Expertenstellen mit klaren Rollen und Verantwortungsräumen. Alles hatte seinen Platz.

Die sich stark entwickelnde individualistische Lebensgestaltung erschüttert dieses Bild mit den begrenzten Plätzen ganz schön. Denn wo ich als Organisation gestern noch dachte, dass gute Karrierechancen, ein sicherer Arbeitsplatz und klare Beförderungsstrukturen der Kernfilter bei der Jobsuche waren, da treffe ich heute auf so eigenartige Wünsche, wie „Sinnhaftigkeit“, „Identität“, „Neues erleben“, „Teamgefühl“ oder „Eigenverantwortliches Handeln und Entscheiden“. Diese Art von Wunsch- und Informationsflut kann nicht mehr nur in stabilen Strukturen bewältigt und die neuen Anforderungen entsprechend umgesetzt werden. Sie benötigt einen bewussten kollektiven Umgang und – einmal mehr – Netzwerke innerhalb und außerhalb der Organisation. Wir könnten natürlich auch versuchen diese ganzen Wünsche in unsere Strukturen zu integrieren, um weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Nur würde das bedeuten, dass wir diese Strukturen vermutlich täglich verändern müssten und selbst dann dürften wir damit nur einen Bruchteil der bescheidenen Bedürfnisse treffen. Wir brauchen also Plan B.

Achtsamkeit heißt Entscheidungen zu treffen

Plan B lautet: Lass dich erst gar nicht auf die Aufgabe ein, individuelle Bedürfnisse vollumfänglich decken zu wollen. Gib diese Aufgabe in das Kollektiv und gib nur den strukturellen und sozialen Rahmen, in dem es sich bewegen kann. Wenn wir bestimmte Sync-Punkte in der Organisation festlegen, werden wir auch immer wieder sicherstellen können, dass wir alle in der gleichen Richtung und zu den gleichen Zielen hin unterwegs sind. Iterative Arbeitsweisen eigenen sich z.B. gut dafür, denn Regelmäßigkeit bedeutet Klarheit in der Routine und Bewegung in den Inhalten.

Der aufsteigende Individualismus, das Streben nach dem Sinn des Lebens, dem höchstglücklichsten Lebensergebnis bringt zwar extreme Komplexität mit sich, aber auch fantastische Chancen. Denn was gibt es Wertvolleres als wache Köpfe, die Lust haben einen Beitrag zu stiften und Fragen stellen, die uns immer wieder herausfordern und damit wachsam bleiben lassen, was unsere Umwelt angeht? Das kann jedoch nur klappen, wenn wir den Rahmen dafür gemeinsam sehr klar setzen und ein höheres Augenmerk auf die sozialen Fähigkeiten der Menschen legen. Denn eine kollektive Vorstellungskraft, Innovationskraft oder Netzwerke funktionieren erst dann richtig gut, wenn die Beziehungsebene zueinander und am Ende auch zu sich selbst entsprechend stabil und motivierend ist. Dazu müssen stündlich, minütlich, sekündlich intuitiv kluge Entscheidungen getroffen werden und zwar in den verschiedensten Dimensionen:

  • Sprache: Was sage ich wie? Wie drücke ich mich aus, damit mich andere verstehen können?
  • Emotionen: Was fühle ich gerade? Traue ich mich meine Stimmung zu äußern oder verberge ich sie hinter einer ruppigen Antwort?
  • Denken: Was denke ich gerade? Welche Gedanken sind hilfreich und förderlich und wie kriege ich andere reduziert?
  • System: Welche förderlichen und nicht förderlichen Muster erkennen wir und wie können wir bewusst Musterbrüche durchführen?
  • Wahrnehmung: Welche Stimmung hat ein anderer gerade? Was tue ich, um andere aber auch mich selbst dabei zu unterstützen meine Bedürfnisse zu decken und einen entspannten Kopf zu behalten?
  • Innovation und Lernen: Äußere ich eigene Fehler? Äußere ich auch verrückte Ideen? Sind wir in der Lage gemeinsam hauptsächlich auf das Lernen zu achten und nicht auf Fehler?

Wo heute also verantwortliche Rollen das Korrektiv bei Konflikten, Bedürfnissen oder konträren Zielen in Teams sind, da muss sich das Team morgen selbst stärker regulieren.

Wach sein und achtsam kommunizieren

Regulierung wird nicht über offizielle Regeln funktionieren, sondern über die gegenseitige Achtsamkeit und damit die Möglichkeit, die jeweiligen individuellen Lebensgestaltungen bewusster zu integrieren. Wenn wir versuchen der Komplexität an Themen, Märkten, individuellen Lebenszielen und gesellschaftlichen Trends mit möglichst vielen Regeln und Strukturen Herr zu werden, werden wir scheitern. Damit fokussieren wir unsere Ressourcen auf die vermeintliche Sicherheit von gestern und reduzieren die notwendigen Ressourcen auf lebendige Produkte und nachhaltige Entscheidungen. Lasst uns also einen Blick darauf werfen, wie wir in unserer Achtsamkeit besser werden können und somit unsere Ressourcenquelle nicht versiegt. Wir möchten dies anhand des Motivkompass aus dem Themengebiet der Mimik-Resonanz tun. Hier werden Hauptmotivrichtungen und die verschiedenen Nuancen dazwischen dargestellt, auf deren Basis sich ein Mensch verhält, reagiert, spricht und letztendlich auch zuhört. Wenn wir unsere Wahrnehmung dafür schärfen, welche Motive gerade ungedeckt sind oder welche Verhaltensweisen für eine Motivrichtung besonders unterstützend sind, entsteht auf ganz natürliche Art und Weise eine höhere Achtsamkeit und damit eine höhere Kraft der verlässlichen Selbstregulierung:

Der Motivkompass wurde von Dirk Eilert innerhalb einer Studie erweitert, wodurch verschiedene Motivfelder mit beispielhaften Begriffen entstanden sind. Eine Übung, die wir euch empfehlen können, ist gemeinsam für die vier Hauptmotivrichtungen zu reflektieren welche Körperhaltungen, Sprache, Mimik und Gestik ihr dort vermutlich in starker Ausprägung erleben würdet. Allein durch diese gemeinsame Übung aktiviert ihr eure Aufmerksamkeit und damit auch die Achtsamkeit euch selbst und anderen gegenüber.

Achtsamkeit und Wachsamkeit den allgemeinen Tendenzen der Lebensgestaltung gegenüber bedingt eine hohe Form der Eigenverantwortung. Auch diese könnt ihr in eurer Organisation weiterentwickeln. Was man dabei beachten sollte, erzählen wir euch im nächsten Impuls.

Doch nun erzählt ihr erst einmal: Wie würde eure ideale Organisation aussehen, in der ihr eure Lebensgestaltung integriert seht? Was braucht es dazu aus eurer Sicht?

Eure

 

 

 

 

Literaturempfehlungen/Quellen:

Bildquelle Titel: TEAMWILLE/Sabina Petronic
Bildquelle Text: https://mimikresonanz.com/wp-content/uploads/2016/10/PK-4-2016-Eilert.pdf

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