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Dez

Alle sind im Workshopfieber! Das Salz in der Suppe oder wie wird Ihr nächster Workshop zu einem echten Kracher

Unternehmen, wo man gerade hinsieht, sind im Workshopfieber. Strategie-Workshop hier, Change-Workshop dort, Team-Workshop heute, Konflikt-Workshop morgen. Man hat das eindringliche Bedürfnis, miteinander ins Gespräch zu kommen, Probleme anzusprechen, Lösungen zu erarbeiten – endlich. Nicht selten werden Hoffnungen und Sehnsüchte nach Klarheit und Orientierung allerdings schon früh am Workshoptag im Keim erstickt. Die Gründe hierfür liegen oftmals in der methodisch-didaktischen Ausgestaltung. Langeweile macht sich breit. Gewöhnliches hält Einzug. Laptops werden hochgefahren. Diskussionen werden zu brutalen Machtkämpfen und der Spaß, der ist schon lange vorbei.

Was aber ist das Salz in der Suppe? Was macht einen Workshop denkwürdig? Was unterscheidet den guten Workshop vom außergewöhnlichen? Was braucht es, um ein Gefühl bei den Teilnehmern zu erzeugen, dass Andreas Bourani mit den Worten “Ich heb ab, nichts hält mich am Boden” ausdrücken würde? Ich habe darauf einige Antworten oder vielmehr Anregungen. Nicht viele und schon gar nicht alle, aber jede davon habe ich am eigenen Leib erfahren, erlebt oder moderiert.

Und eines weiß ich ganz bestimmt. Den Workshop, den echten Kracher – es gibt ihn!

Raus aus den eigenen vier Wänden

Workshop_TEAMWILLEAls kleines Kind hat es mir bei Fremden immer besser geschmeckt. Die Kochkünste meiner Mutter waren ganz sicher keine schlechten. Im Gegenteil. Trotzdem ist mir bis heute in Erinnerung geblieben, dass es woanders einfach noch leckerer war. Mit der Durchführung von Workshops verhält es sich ähnlich. In den eigenen vier Wänden funktioniert Workshop nicht, ganz egal, ob Meetingraum oder Konferenzsaal. Die Empfehlung lautet: Raus aus dem eigenen Unternehmen und rein ins Nirgendwo! Raus aus den teuren Hotels und rein in die Kommunikationshäuser, Selbstversorgerhütten, Klöster oder Bauernhöfe. Raus aus der WLAN-Falle, raus aus der Laptopzone und rein in die Einfachheit des Seins. Gehen Sie an Orte, an denen Sie vom ersten Moment an das Gefühl haben angekommen zu sein. Wenn Sie an einem Ort sind, an dem Sie um sich herum nichts hören, gar nichts (außer vielleicht Kuhglocken), dann sind Sie richtig. Wenn Ihr Handyempfang vollständig versagt und es aufgehört hat, wichtig zu sein, wie spät es gerade ist oder wem Sie noch schnell ein Mail schreiben müssen, dann sind sie richtig.

Was für Trainings gut ist, kann für Workshops nicht schlecht sein

Sarah Bowman hat mit “Training from the back of the room” ein denkwürdiges Buch verfasst. Trainings wie Workshops sind eine Investition, zeitlich wie finanziell. Man setzt darauf, mit mehr raus zu kommen, als man reingegangen ist. Sechs einfache, aber effektive Prinzipien sind hierbei richtungsweisend:

Talking trumps listening setzt auf die Weisheit der Vielen und fordert dazu auf, permanent Gelegenheiten zum kommunikativen Austausch zu bieten und Menschen eine Bühne zu bauen. Meinungen hören, Argumente teilen, neue Perspektiven einnehmen und die Denkwelten anderer zulassen, gelingt nur dort, wo Chancen geboten werden, ins offene Gespräch zu kommen. Werkzeuge wie der Open Space, Fish Bowl oder das World Café dienen als methodisch-didaktischer Rahmen, der Grenzen sprengen kann und Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – befähigt, durch die Decke zu denken.

Movement trumps sitting folgt der Natur des Menschen. Menschen brauchen Bewegung. Sie brauchen Raum, um sich zu verwirklichen, um sich entfalten zu können und ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Ein Workshop ohne Spaziergang ist kein richtiger Workshop. Feste Sitzplätze sind out, die U-Form ist altbacken und Frontalbeschallung ist reine Geldverschwendung. Stehtische bieten ebenso eine Alternative wie die gemütliche Couchecke, das Sitzkissen oder das gemeinsame Sinnieren im Raum beim bewussten Auf-und-Ab-Wandern im Raum. Körperliche Bewegung ist der Anfang von mentaler Bewegung.

Images trumps words ist eine Selbstverständlichkeit. Bilder sagen mehr als tausend Worte. Assoziationskarten gehören in jeden Werkzeugkoffer eines Workshop-Moderators. Visualisierung ist Pflicht und die Einladung an die Teilnehmer, sich selber malerisch zu betätigen und Worte in Bilder zu verwandeln ist ein echter Knaller. Und bitte ersparen Sie mir jetzt den Gedanken, dass Sie nicht malen können. Klar können Sie das. Als Kind konnten Sie das auch. Sie haben es nur verlernt. Ein guter Moderator bietet Ihnen den Rahmen, wieder Kind sein zu dürfen und er wird Sie an die Hand nehmen und Ihnen zeigen, was in Ihnen steckt. Ich garantiere Ihnen Talente, von denen Sie bislang noch nichts wussten.

Writing trumps reading katapultiert die Teilnehmer aus ihrer Konsumentenhaltung und bringt sie ins Handeln. Damit übernehmen sie VerANTWORTung und gehen auf diese Weise auf die Suche nach Antworten (Lösungen). Methoden wie “Der Brief an mich selbst” (Blick in die Zukunft) oder “Freewriting” (Visionsfindung) dienen als Türöffner zum eigenen Ich und ermöglichen einen Perspektivenwechsel, der in Offenheit und Klarheit mündet. Die Verschriftlichung eigener Gedanken ist ein fast spirituelles Erlebnis und gleichzeitig Schlüssel zu ungenutzten Denkräumen.

Shorter trumps longer hört sich simpel an, erweist sich jedoch in der Umsetzung als echte Herausforderung. In der Kürze liegt nun mal die Würze, die es anzustreben gilt. Die menschliche Aufmerksamkeitsgrenze ist schnell erreicht und im Laufe eines ganzen Workshop-Tages verstärkt sich diese Limitierung. Um dem Rechnung zu tragen, braucht es: Viele (kurze) Pausen, kurze und intensive Arbeitsphasen, iteratives Entwickeln von Ideen, ständige Feedbackzyklen und Output, Output, Output.

Different trumps same steht für sich. Der Mensch ist zwar ein Gewohnheitstier und das Bestreben zur Anpassung liegt uns im Blut. Allerdings sind dem Prädikat “different” im Workshop keine Grenzen gesetzt. Sitzend, stehend, malend, spazierend, in Zweiergruppen, gemeinsam, flüsternd. Alles kann, nichts muss. Strichaufzählungen und Brainstorming kann nun wirklich jeder und holt auch keinen mehr hinterm Ofen hervor. Ich präferiere Spiele. Der Mensch ist nur dort ganz Mensch, wo er spielt. Es könnte keine bessere Einladung für gefahrloses Experimentieren und kreatives Denken geben. Vergessen Sie nur nie, ein Debriefing zu machen. Spielen ja, aber nicht zum Selbstzweck. Was erinnert mich in meinem Spielverhalten an meinen Alltag? Was kann ich morgen verändern? Womit fange ich an und was kann ich davon bereits schon? Kurzum: Spielerisch handeln führt zu spielerisch verändern.

Meine Formel für Sie, für Ihren nächsten Workshop, ist ganz einfach:

Workshop + TEAMWILLE = Booooom.

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